Zu „Herz-Yoga, die heilende Kraft inniger Verbindung“ von Mark Whitwell

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Mark Whitwell, langjähriger Schüler von T.K.V.Desikachar, nimmt sich viel vor. Er sprudelt über in seinem Versuch, die ‚Tyrannei des Erreichens‘ im Yogakosmos darzulegen und Yoga als etwas selbstverständlicheres, natürlicheres begreifbar zu machen.

Seine Grundaussage : es gibt nichts zu suchen oder zu erreichen, es ist alles da.

Religiöse Systeme und spirituelle Praktiken würden Getrenntsein (vom Göttlichen) behaupten, um so hierarchischen Strukturen aufrechtzuerhalten. Er warnt vor naivem Festhalten an Doktrinen und möchte zeigen, dass es keiner komplexen Konzepte bedarf.

Yoga bedeutet, so Whitwell, zuallererst in Beziehung zu treten: zu sich selbst und vorallem auch zu anderen Menschen. Er beschreibt die Falle, in der Yogapraktizierende wichtige Beziehungen zu anderen Menschen zugunsten ihrer Yogapraxis vernachlässigen. Dabei steht für ihn Offenheit für intime Beziehungen an erster Stelle. Yoga soll befreien, nicht isolieren.

Den Dynamiken von Machtstrukturen im traditionellen und modernen LehrerInnen-SchülerInnen- Settings setzt er das Ideal von Freundschaft und Ebenbürtigkeit zwischen LehrerInnen und SchülerInnen entgegen. Was einen guten Lehrer bzw. eine gute Lehrerin zusätzlich ausmacht, ist die Fähigkeit, Yoga an die Bedürfnisse des Schülers bzw. der Schülerin anpassen können. Zu diesem Thema fasst er wichtige Kernelemente des Unterrichts in der Tradition von Krishnamacharya und T.K.V. Desikachar zusammen.

Ausführlich widmet sich der Autor dem Thema erfüllter, gleichberechtigter Sexualität zwischen Mann und Frau und bedient die klassischen/stereotypen Zuordnungen  (begehrend: Mann/ empfangend: Frau) und klammert bewußt oder unbewußt Homosexualität aus, so kommt dieses Kapitel dann letzlich recht altbacken daher.

Insgesamt leidet ‚Herzyoga‘ an der Vernachlässigung eines roten Fadens. Durch die Aneinanderreihung von diversen Vorträgen erfasste einen beim Lesen immer wieder das Gefühl, sich im Kreis zu drehen. Eine Überarbeitung hätte Sinn gemacht, um Wiederholungen und Widersprüchlichkeiten zu bearbeiten bzw. aufzulösen. Mal erklärt der Autor etwa das  „Yogasutra“ für überbewertet, um sich dann an anderer Stelle wieder auf diesen Quellentext zu beziehen. Ganz so als ob er sich selbst nicht klar darüber ist, ob es nun ausreicht, sich ins Leben zu entspannen, oder ob es sich doch lohnt, im Stil (s)einer Tradition zu üben.

Auch wenn ‚Herzyoga‘ nicht immer durch Kohärenz besticht, möchte ich dieses auch sehr inspirierende Buch all jenen empfehlen, die das Gefühl haben, in ihrer Yogapraxis festgefahren zu sein und neuen Input suchen.

 

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