Nāḍī śodhana prāṇāyāma – die Wechselatmung

Nāḍī śodhana prāṇāyāma - die Wechselatmung, deine private Yogagruppe

Mit Yoga lenken wir Energie – nichts lässt es einen so genießen UND verstehen wie Nāḍī śodhana

Prāṇa – die Grundlage jeden Lebens, Lebenskraft, Energie

ayāma – dehnen

Nāḍī – Energiekanal

śodhana – Reinigung

Sowohl das Yoga Sūtra als auch die Bhagavad Gītā meinen zuallererst Nāḍī śodhana Prāṇāyāma, wenn sie von Prāṇāyāma sprechen.

Prāṇa ist das, was uns lebendig macht

Lebensenergie, die durch den gesamten Körper und überall dort, wo leben ist, fließt.

Indem wir die Nāḍīs, die Energiekanäle, reinigen und die Atemlängen regulieren und ausgleichen, kann Prāṇa so in uns fließen, dass wir uns ausgeglichen, klar und voll Energie fühlen.

Mit Nāḍī śodhana Prāṇāyāma steuern wir die Atmung über die Bauchdecke und Nasenlöcher. Ziel der Wechselatmung ist ein weicher gleichmässiger Atem, bei allmählicher Verlängerung der verschiedenen Atemphasen.

Der Atem fließt wie Öl aus einem Krug, der Faden ist dünn und reißt nicht ab. Wir wollen uns dabei nicht fordern, denn jedes zu viel, jeder Atemstau ist ungesund für Körper und Geist. Zu viel verursacht innere Spannungen, im Zwerchfell oder auch im Hals.

Prāṇāyāma ist eine sinnliche, subtile Übung

Wir lernen unseren Atem kennen und machen ihn zu einem vertrauten Freund.

Mit Prāṇāyāma heben sich die Schleier, die durch innere Unruhe entstehen und die Wahrnehmung trüben.

Wir sehen klar(er) – Avidyā (Missverständnisse, die auf einer Verwechslung beruhen ) wird reduziert und damit dukha (Leid, das aus diesen Verwechslungen resultiert). Mit Prāṇāyāma bereitet man den Geist (Intellekt, Gefühle, Psyche) vor, sich in einer meditativen Stimmung zu fokussieren (dhāranā). (Y.S . : 2.52 ; 2.53)

Sich am Gefühl der Wechselatmung zu erfreuen und seine nährende Kraft genießen, ist Yoga – fein, subtil, klärend

Im zweiten Kapitel der Hatha Yoga Pradīpikā, heißt es, dass Prāṇāyāma die Nāḍīs so wie die Cakren, die Energiezentren entlang der Wirbelsäule reinigt.

Die zwei wichtigsten Nāḍīs, Iḍā (Mondenergie, kühl, linkes Nasenloch) und Piṇgalā (Sonnenenergie, warm, rechtes Nasenloch) verlaufen entlang der Wirbelsäule. Sie kreuzen sich auf der Höhe der Chakren und enden bei den Nasenlöchern.

Diese zentralen Energiekanäle werden mit Nāḍī śodhana Prāṇāyāma gestärkt und ausgegelichen. Die Vorstellung verursacht zunächst vielleicht Skepsis. Wenn man aber mit den Atemübungen beginnt, lässt sich die Wirkung direkt erfahren.

Um Yoga wirklich verstehen zu lernen, übe die Wechselatmung regelmässig. Dein Verständnis der Asanapraxis wird sich vertiefen

Über die Verlängerung der Einatmung fachen wir Agni, das Verdauungsfeuer an, verbrennen unverdaute Nahrungsbestandteile (Mala) und Umweltgifte (Ama) und bringen diese mit der Ausatmung aus dem Körper – mit anderen Worten, wir unterstützen eine gesunde Verstoffwechslung und Aussscheidung. Im Yoga bzw. Ayurveda bezeichnet der Begriff tapas (Kochen) den Prozess der Nahrungsassimilation und die Beseitigung von Unreinheiten.

zur Technik:

Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand einklappen, Ring und kleinen Finger aneinanderlegen (mṛgi mudrā – Rehmudra) und die Hand zur Nase führen.

Die Finger liegen mehr beim Ansatz des Nasenbeins als bei den Nasenlöchern Mit dem Daumen das rechte Nasenloch sanft schließen und durch das linke ausatmen, durch das linke Nasenloch einatmen, beide schließen, dann das rechte öffnen und durch das rechte Nasenloch ausatmen, durch das rechte einatmen, beide schließen und dann das linke öffnen und durch das linke ausatmen.

Die Stärke des Luftstroms der Ausatmung wird über das gleichmässige Zurückziehen der Bauchdecke und über die Weite des Nasenlochs reguliert. Wir können das Nasenloch etwa halb schließen, damit die Luft langsamer strömt. Der Rücken bleibt während der gesamten Zeit aufgerichtet.

In der Atemleere zu verweilen wird bāhya kumbhaka genannt, in der Atemfülle antar kumbhaka. Während der kumbhakas ruhen die Augen innerlich auf einem Punkt, zum Beispiel am dritten Auge oder der Nasenspitze. Wenn wir ein Mantra tief erleben wollen, dann können wir es während kumbhaka mental wiederholen. Wenn wir uns in den Atempausen mit dem Grenzenlosen, dem Absoluten verbinden, gibt es keine Trennung mehr zwischen Innen und Aussen.

Das Atemverhältnis wird vor dem Üben festgelegt.

T. Krishnamacharya empfahl, mindestens drei Monate bei einem Prāṇāyāma zu bleiben, um seine Wirkung gut kennenzulernen.

Sind Ein- und Ausatemphasen und die Pausen jeweils gleich lang, sprechen wir von samavṛtti prāṇāyāma. Dieser Rhythmus betont die Einatmung und stärkt Agni. Sind sie verschieden lang, sprechen wir von viṣamavṛtti prāṇāyāma. Da beide eine Reduktion von Ama, Mala und āvidya bewirken, werden beide Varianten einer langhana-Wirkung (Entfernen von ‚Schlacken‘) zugeordnet.

Wir erinnern uns, dass Schlacken nicht nur verbrannt, sondern auch aus dem Körper transportiert werden sollen, darum ist die Einatmung höchstens gleich lang wie die Ausatmung.

Für die Übung sind deśa (der Ort, an dem sich der Geist befindet, das kann zum Beispiel ein Körperpunkt sein), Kala (die Zeit, d.h. das Atemverhältnis) und Samkhya (die Anzahl der Atemzüge) aus denen die Wirkung entsteht von Bedeutung. Für welchen Rhythmus wir uns entscheiden, hängt von mehreren Faktoren ab.

Um uns für ein bestimmtes Verhältnis zu entschließen, können wir den Atem in verschiedenen āsānas beobachten. Fließt die Ein – oder die Ausatmung leichter? Will ich an der Verlängerung der Ein- oder der Ausatmung arbeiten?

Mit der freien linken Hand lassen sich die Runden (bestehend aus zwei Atemzyklen) zählen. Der linke Daumen zieht nach jeder Runde ein Fingerglied weiter, sodass man insgesamt zwölf Runden zählt. Der Geist bleibt während der gesamten Übung fokussiert. Zwölf Runden sind ausreichend um eine Veränderung von Atem und Geist zu bewirken, dabei wird die Übung nicht zu lange, dass einem dabei langweilig wird.

Das Atemverhältnis sollte für die übende Person nicht zu einfach, dabei konzentriert gut machbar sein. Auf keinen Fall soll der Grundatem unterdrückt werden. Wir gehen immer nur so weit, wie es der eigene Atem möchte.

Wir lenken den Atem und forcieren oder unterdrücken ihn nie!

Im Yoga Sūtra 2.49, heißt es, dass Prāṇāyāma mit āsāna vorbereitet wird. In unserer āsāna-Praxis teilt sich der Fokus auf Atem und Körper. Unterstützen wir mit einer intelligent angepassten Praxis unseren Atem, sind wir optimal auf Prāṇāyāma vorbereitet und können noch lange nachher seine klärende und beruhigende Wirkung genießen.

About nathalie andrée

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