Praktizieren wir Yoga so, dass wir mehr innere Ruhe finden können – im Sinne von Aparigraha, dem Prinzip des Loslassens?
Immer wenn wir etwas zu sehr zu unserem machen wollen, verlieren wir etwas anderes: unsere Stille. Auch übermäßiger Konsum in all seinen Facetten vertreibt die innere Ruhe.
Nehmen wir als Beispiel den Wunsch, Yoga zu unterrichten.
Wir wollen Kurse halten, brauchen einen schönen Raum, Matten, Kissen – und rund um den Unterricht gibt es viel zu organisieren. All das kann leicht unser ursprüngliches Interesse und unsere Begeisterung überlagern. Manchmal tauchen dann Frustration oder Druckgefühle auf.
Doch Yoga lässt uns mit solchen Themen nicht allein. Im Gegenteil: Genau sie stehen im Zentrum der Yogaphilosophie. Denn Yoga ist – jenseits von Technik – ein Weg zu einem schönen, erfüllten Leben.
Die Yamas beschreiben, wie wir mit der äußeren Welt so umgehen können, dass innere Ruhe und Klarheit entstehen. Eines dieser fünf Prinzipien – eingebettet in die acht Glieder des Ashtanga Yoga – heißt Aparigraha: das Nicht-Anhaften, das Genugsein.
Innere Ruhe entfaltet sich leichter, wenn wir in einem tragenden sozialen Umfeld eingebettet sind.
Das Yogasutra bietet unzählige Möglichkeiten zur nährenden Selbstreflexion. Was – aus eurozentrischer Sicht – manchmal als reine Morallehre missverstanden wird, sind in Wahrheit tiefgehende Lehren über inneren Frieden. Das Ziel des Yoga ist nicht Perfektion, sondern Zufriedenheit und Gelassenheit.
Aparigraha lädt uns ein, Entscheidungen, Beziehungen und auch unsere Praxis zu hinterfragen. Es ist eine Einladung zur Reflexion:
- Woran halte ich fest?
- Welche Form von Verzicht oder Reduktion macht mir Angst – und warum?
- Welcher Art sind meine Erwartungen oder Ansprüche gerade?
Aparigraha bedeutet loszulassen – denn immer dann, wenn wir etwas besitzen wollen, werden wir selbst davon besessen.
Also – woran hältst du fest? Und warum? Spüre in dich hinein und erforsche die inneren Spannungen, die gerade da sind – aus der Perspektive von Aparigraha. Diese innere Betrachtung kann dir helfen, den Geist zu klären und Raum zu schaffen.
Belebe deine Yogapraxis auf der Matte mit „shānti“ – innerem Frieden. Lass Erwartungen und inneren Druck los und finde auch im Alltag Wege, dieses Thema abseits der Matte weiter zu erforschen.
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